Montag, 28. Februar 2011

"Sansibar oder der letzte Grund" von Alfred Andersch

Alfred Andersch schreibt in diesem Roman über einen Drang nach Freiheit, dessen Erfüllung jedoch die Flucht als Bedingung hat. In Rerik an der Ostsee kommen im Herbst 1937 unterschiedliche Menschen zusammen, die Zwängen und Bedrohungen entrinnen wollen.

Der Schiffsjunge träumt vom Abenteuer in Sansibar. Sein Fernweh ist jugendlich unbedarft und er stillt es mit den Geschichten über Huckleberry Finn. Fischer Knudsen will sich der kommunistischen Parteidisziplin entziehen, deren Arbeit in der Illegalität er für aussichtslos hält. Judith treibt die Hoffnung, mit einem Schiff nach Schweden der Judenverfolgung entrinnen zu können. Sie trifft mit dem KPD-Funktionär Gregor zusammen, der an seinen Idealen zweifelt. Schließlich ist da noch der der Pfarrer Helander, der sich um eine Plastik in seiner Kirche, den "Lesenden Klosterschüler" sorgt. Sie droht als "entartete Kunst" abgeholt und vernichtet zu werden.

In und mit dieser Figur verbinden sich die die Hoffnungen, Sehnsüchte und Fluchtpläne dieser Gruppe von Menschen, eingebettet in die Atmosphäre der kleinen, abgelegenen Hafenstadt. Alle haben ihre individuellen Entscheidungen zu treffen. Eines Nachts bringen Knudsen und der Schiffsjunge die Holzplastik, Gregor und Judith nach Schweden und kehren wieder zurück.

Das Buch ist kunstvoll komponiert. Es setzt den Willen des Einzelnen in Beziehung zu ihrer Rolle in der Gemeinschaft. Neben den Repressionen der Nazizeit sind es die allgemein menschliche Dimensionen des Zusammenlebens, deren Fragen sich in den vielen Monologen des Romans widerspiegeln.


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