Dienstag, 15. März 2011

"Bruno" von Gerhard Falkner

Es braucht nur wenige Zeilen um bestätigt zu finden, dass Gerhard Falkner ein Dichter ist. Seine Novelle über sich und den "Problembären" Bruno glänzt vor sprachlicher Präzision und poetischen Bildern. Schon nach dem ersten Umblättern kann ich nicht mehr anders als mir einen Bleistift zu holen, um mir Markierungen zu machen.

"Dass ich hier bin, habe ich in der Zeitung gelesen", beginnt das erste Kapitel und skizziert die Ankunft eines Künstlers in der Schweiz, der sich von sich selbst entfremdet fühlt. "Wie weit über die Höhe treibende Segel aus Silberfolie blitzen diese Gipfel, sobald das Sonnenlicht sie trifft," begleitet ihn die Landschaft zu seinem Ziel, am Abend "erlischt die Spitze des Gipfels mit einem kurzen Nachglimmen wie der Kopf eines ausgeblasenen Streichholzes".

Das zweite Kapitel verkündet die nächste Ankunft auf gleicher Weise: "Dass der Bär da ist, habe ich in der Zeitung gelesen". Damit lasse ich es genug sein, mit den Zitaten, auch wenn mein Stift überall in dem Buch seine Spuren hinterlassen hat.

Mit dem zweifachen Auftakt ist der Bogen kunstvoll gespannt und der Pfeil schießt durch existenzielle Fragen, denen zwei Vertreter einer vom Aussterben bedrohten Art ausgeliefert scheinen. Der Dichter spürt eine Seelenverwandtschaft und den Wunsch, dem Bären zu begegnen. Er sammelt Informationen, befragt die Menschen, macht sich auf die Suche und bringt sich dabei in Lebensgefahr. Die dramatischen Gedanken und Geschehnisse sind eingebettet in die poetische Schilderung der Bergwelt. So wird die Jagd nach dem Bären zu einer Entdeckungsreise zu sich selbst, bei der sich Fragen nach Substanz und Sinn des Daseins stellen. Statt mit dem freien, wilden Bären gibt es eine Begegnung mit einem domestizierten Tier: einer Kuh.


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