Mittwoch, 24. August 2011

"Die letzte Liebe des Monsieur Armand" von Francoise Dorner

Ein leises, schönes und nachdenkliches Buch, das beim Lesen wie ein Film vor den Augen abläuft. Ein betagter, einsamer Philosoph wird durch eine flüchtige Begegnung mit der jungen Pauline aus seinem Alltagstrott gerissen. Es entsteht eine Freundschaft, aus der beide ihren Vorteil ziehen, bis der Schritt in den Tod sie wieder trennt.

In Monsieur Armand entflammt Pauline die Liebe. Ein in Gedanken inniges und in der Wirklichkeit platonisches Gefühl, mit dessen Hilfe der alte Mann sich selbst und sein Leben hinterfragt. Für Pauline ist er ein Großvater, wie sie ihn sich immer gewünscht hat. Für Armand ist sie das Elixier für neue Lebensfreude.

Es liegt auf der Hand, dass dies in seiner Familie zu Konflikten führt. Die Kinder sorgen sich um ihr Erbe, sein Sohn versucht gar, ihn wegen Unzurechnungsfähigkeit entmündigen zu lassen. Vernarbte Wunden innerhalb der Familie brechen wieder auf. Insbesondere das Verhältnis zu seinem Sohn Pierre ist durch die Vergangenheit belastet. Am Ende finden Vater und Sohn, der Pauline um die Nähe und Freundschaft beneidet, zu einander.

Das Buch endet mit dem Freitod des Monsieur Armand. Da die Geschichte aus der Ich-Perspektive des Pensionärs erzählt wird, ist es schon gewagt, ihn von seiner eigenen Beerdigung berichten zu lassen. Als Geist schwebt er über der Szenerie, um uns zu berichten, wie Pierre Pauline in die Reihen der Trauergemeinde holt, um dann in die Ewigkeit zu entschwinden. Ein wenig fühlt es sich für den Leser so an, als stehle er sich aus der Verantwortung und flüchtet aus dem Leben, gerade, als er es neu entdeckt hat.

Der Roman sei lustig und komödiantisch, steht auf dem Bucheinband. Das fand ich nicht. Dass er aber wunderschön und bisweilen sentimental sei, dem kann ich zustimmen. Und viele der Gedanken des Monsieur Armand, warum ist er schließlich Philosoph, sind eine schöne Anregung zum Nach- und Weiterdenken - über das Leben, das Alter und wie wir miteinander umgehen.


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen